Neuseeland zu Fuß: Nicole und Christian auf dem Te Araroa

Einmal eine richtig lange Wanderung machen: das wünscht sich Nicole schon lange. Zusammen mit ihrem Partner Christian erfüllt sich die heute 42-jährige den Traum von einem Thruhike und startet in der Wandersaison 2024/2025 den Te Araroa. Neuseelands längster Fernwanderweg führt auf 3.000km quer über beide Inseln des Landes, veranschlagt werden für diese Tour meist 4-5 Monate.

Warum gerade Neuseeland?

„Es war einfach eine gute Zeit, um nach einer Auszeit auf der Arbeit zu fragen. Letztendlich habe ich die Auszeit nicht genehmigt bekommen und musste meinen Job kündigen, aber das Ziel blieb.“, berichtet Nicole schmunzelnd.

Christian hat als Beamter mehr Glück und bekommt die Erlaubnis für ein Sabbatical. So machen sich die beiden dann im Winter 2024 auf ins Ungewisse. Obwohl beide bereits seit Jahren zusammen wandern und sich auf die Wanderung so gut wie möglich vorbereitet haben, trifft sie die Realität des Thruhikes doch sehr unerwartet. Man wandert nicht einfach nur, sondern muss auch die nächsten Etappen planen. Auf dem Te Araroa heißt das nicht nur zu schauen, wann die nächste Versorgungsmöglichkeit kommt. Man muss auch Gezeiten abpassen, um bestimmte Abschnitte gehen zu können, oder Boote mieten, um über unpassierbare Lagunen zu gelangen.

Der Te Araroa zeigt bereits kurz nach dem Start am Cape Reinga seine Kehrseiten, mit Passagen, wo man knietief durch Matsch waten muss – kilometerweit. Im dichten Gestrüpp und mit dem Morast gibt es keine Chance auf eine Pause, denn zelten kann man in dem Abschnitt nicht. Der Raetea Forest zeigt den beiden schnell, dass ihr Neuseeland-Abenteuer nicht nur schöne Seiten haben wird.

„Social Media ist super in vielen Dingen, aber zeigt nicht immer die Realität. Es gibt nicht nur schöne rosa Wolken und tolle Sonnenuntergänge.“

Dennoch wandern sie weiter, entschlossen, diese lang ersehnte Auszeit zu nutzen. Am Ende der Nordinsel zieht Nicole die Reißleine: der Te Araroa hat sie dermaßen erschöpft, dass sie sich dazu entschließt, mit einem Mietauto ein neues Abenteuer zu starten und Christian auf Umwegen zu begleiten.

Die Südinsel mit ihrem deutlich schwierigeren Gelände bringt schließlich auch Christian an seine Grenzen. Körperlich geht es ihm so schlecht, dass er sich schweren Herzens dazu durchringt, den Te Araroa zu verlassen.

„Im Süden ist der Trail viel schwieriger. Die Abschnitte sind länger, ausgesetzter, einsamer. Es gibt viele Pässe und kaum Zivilisation.“, erzählt Christian. In so einem Gelände weiter zu wandern ist ihm in seiner aktuellen Verfassung zu riskant.

Die beiden nutzen den Rest ihrer Zeit und entdecken Neuseeland noch einmal auf eine andere Art. Mit dem Auto kommen sie an Ecken des Landes, die sie vom Te Araroa aus nie zu Gesicht bekommen hätten. So kommt zwar alles anders als geplant, nimmt aber doch ein gutes Ende. Die beiden erholen sich von den Strapazen und wandern schließlich die letzte Etappe des Te Araroa bis nach Bluff, um ihren Trail zu beenden.

Nicoles und Christians Geschichte zeigt: ein Thruhike ist nie wirklich planbar. So oft kommt alles anders als gedacht. Letztlich gilt wie immer die alte Hiker-Weisheit: the trail provides. Der Weg gibt einem schon das Richtige für einen.

Was auch immer das sein mag.


Hör‘ dir hier die Podcast-Folge zum Te Araroa an:


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