Wandern, Trampen, Paddeln: Mit 20 vom Continental Divide Trail bis nach Alaska

Greta „Steel“erzählt die Geschichte eines wirklich außergewöhnlichen Gap Years.

Greta mit gefundenen Geweihen

Nach dem Abitur 2023 gab es für Greta kein Halten mehr. Die angestaute Reiselust, die sie über Jahre nur in den Ferien stillen konnte, durfte sich endlich ausleben. Die damals 20-jährige hat nicht nur eine Sache von ihrer Bucket List abhaken können und das Jahr am Ende mit dem wohl größte Abenteuer ihres Lebens gekrönt: Auf dem Continental Divide Trail, dem schwierigsten und einsamsten der großen drei amerikanischen Fernwanderwege.

Der CDT führt über 5.000 Kilometern bis nach Kanada. Von der mexikanischen Grenze aus ging es los, durch die Wüste New Mexico’s. Hitze und Wassermangel allgegenwärtig, oftmals kam das einzige Wasser aus Viehtränken.
„Ich habe in vielen dieser Tränken auch tote Eichhörnchen schwimmen sehen.“, berichtet Greta schmunzelnd. „Trotzdem hatten einige der anderen Wanderer keine Wasserfilter dabei, um sich ein paar Gramm Gewicht zu sparen.“ Ein Risiko, das schnell dazu führen kann, das die eigene Wandererfahrung durch Durchfall beendet wird.

Nach der Hitze der ersten Wüstenetappe kam dann der Gila River und damit das genaue Gegenteil. Statt Wassermangel führt der CDT nun oft mitten durch den Fluss. Ständig nasse Schuhe, aber immerhin kein Durst mehr. Ab Colorado verändert sich dann die Landschaft extrem. Gebirge müssen überquert werden, in völliger Abgeschiedenheit und oft noch mit Schnee. Dort erlebte Greta, die mittlerweile durch ihre eiserne Willenskraft den Trailnamen „Steel“ erhalten hat, dann den schlimmsten Moment ihrer Wanderung.

Greta im Schnee

„Mit dem Schnee war das Wandern beschwerlich und gefährlich. Ich bin jeden Tag über meine Grenzen hinausgegangen. Man muss sich dort zusammen tun, zur Sicherheit falls etwas passiert.“ Die beiden Hiker, mit denen sich Greta zusammen in die Wildnis gewagt hat, lassen sie schließlich nach einem bereits sehr langen, anstrengenden Tag sitzen. Die beiden treibt der Druck, Kanada unbedingt erreichen zu wollen. Auch um den Preis, eine Mit-Hikerin zurückzulassen. Etwas, das innerhalb der gut vernetzten Trail-Community schnell die Runde macht und von allen Seiten scharf verurteilt wird. In der Wildnis hält man schließlich zusammen.

„Ich musste dann alleine einen Weg finden, wieder aus den Bergen raus zu kommen. Eigentlich stand am nächsten Tag einer der schwierigsten Pässe an, den wollte ich nicht alleine gehen.“

Greta entscheidet sich dann zum Abstieg und bahnt sich einen eigenen Weg durch bis zu einer Straße und in die nächste Ortschaft. Die Erfahrung hat sie aufgerüttelt. Den Rest von Colorado umgeht sie die stark verschneiten Gebirge wo es nur geht. Der CDT ist ohnehin ein Weg, der noch nicht vollständig markiert ist und viel über Straßen führt.

Von der Grenze zwischen Colorado und Montana, nach 2.000 gewanderten Kilometern, fängt Steel dann zusammen mit einem neuen Wanderpartner ein anderes Abenteuer an. Basierend auf dem Film „Into the Wild“ (2007) beginnen die beiden, zu trampen. Das Ziel: Alaska.

„Wir wollten noch einmal etwas Neues sehen. Und da war Trampen ein tolles neues Abenteuer.“ Auf den 7.000 Kilometern, die die beiden zusammen zurücklegen, sammeln sie viele Geschichten und neue Eindrücke. Auf einem der kurzen Wandertrips, die die beiden zwischendurch einlegen, findet Greta dann einen ganz persönlichen Schatz: ein 20kg-schweres Elchgeweih, mitten im Yukon.

„Da war klar, wir müssen am Ende noch einmal zurück, um das Geweih zu holen. Das musste mit mir zurück nach Deutschland.“

Bis zum Polarkreis in Alaska trampen die zwei, dann geht es zurück in den Yukon. Nicht nur für das Geweih, sondern auch, um ein letztes Abenteuer zu erleben: eine Woche im Kanu auf dem Yukon River. Währenddessen wird das Geweih professionell gereinigt und behandelt, um den Zoll in Deutschland zu überstehen. In der Zeit schweift Gretas Fokus dann auch langsam auf die Zeit danach, denn im Oktober beginnt ihr Bachelorstudium „Integrated Life Sciences“.

„Ich hätte ewig so weiterreisen können. Dann so plötzlich in das Studentenleben geworfen zu werden, war ein Schock.“

Dieser Schock klingt noch heute, zwei Jahre später nach. Die Rückkehr von einer langen Reise ist oft schwieriger, als die Reise selbst.

Hört euch das ganze Gespräch mit Greta an:

https://open.spotify.com/episode/2HtuOYNdHe8Xf8yewrX9CY?si=_K8e7osUSUOiQew9GgyDMg


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