Zehn Jahre ist es her, dass meine beste Freundin Ana und ich uns 2015 auf dem Camino Francés kennengelernt haben – ein Moment, der nicht nur den Verlauf unserer Freundschaft, sondern auch unser weiteres Leben beeinflusst hat.
In der neuen Podcast-Folge von Unterwegs auf anderen Wegen sprechen wir darüber, wie dieser Weg uns verändert hat, was wir unterwegs gelernt haben und wie uns der Camino immer noch begleitet.
2013: Das Jahr, in dem alles begann
Meinen ersten Jakobsweg habe ich mit 17 Jahren gemacht. Ich hatte mit 15 das Buch von Hape Kerkeling gelesen und danach beschlossen: diesen Weg muss ich irgendwann gehen. Was mich daran so begeistert hat, kann ich im Nachhinein nur schwer nachvollziehen. Denn ein Wanderer war ich bestimmt nicht – ich fand selbst Spazieren gehen blöd. Einfach so draußen rumlaufen, ohne Ziel? Das kann doch keinen Spaß machen. Das Ziel Santiago hat mich aber dann doch gereizt. Irgendetwas an Hape’s Bericht hat mich gefesselt. Vielleicht das Suchen nach einer Herausforderung, sich selbst auf die Probe zu stellen.
Zwei Jahre später war es dann soweit. Die letzten Sommerferien vor dem Abitur wollten gefüllt werden und in einem LIDL-Prospekt fand ich durch puren Zufall eine Werbung für Reiseführer – auch für den Camino Francés, den Hape Kerkeling damals 2001 gewandert ist. Ein Zeichen, dachte ich mir, besorgte mir das Buch (das übrigens furchtbar schlecht war, ich habe es später durch einen der gelben Outdoor-Reiseführer vom Conrad Stein-Verlag ersetzt) und plante meine erste Reise allein.
Es klappte – ich kam verändert zurück. Und dieses Gefühl der Freiheit auf dem Camino, das wollte ich danach so schnell wie möglich wieder fühlen.
2015: Mein zweiter Camino
Zwei Jahre später war es dann endlich so weit. Meine ersten Sommer-Semesterferien im Bachelor. 3 Monate Freiheit und genügend Zeit, wieder zu pilgern.
Und auch Ana plante ihren ersten Camino für diesen Sommer. Ich erzählte damals jedem in meinem Umfeld davon, wie wahnsinnig befreiend und alles verändernd meine Jakobsweg-Erfahrung war. Und so erfuhr auch Ana davon, mit deren Mutter mein Vater seit seiner Jugend befreundet war. Der Wunsch, den Camino zu machen, schlummerte zu dem Zeitpunkt schon lange in ihr. Sie bombardierte mich mit Fragen, schon bevor ich selbst den festen Entschluss gefasst hatte, 2015 wieder zu pilgern. Ich half ihr so gut ich konnte (damals noch via Facebook-Nachrichten) und danach herrschte eine ganze Weile Funkstille. Ich fasste meinen Entschluss und kaufte mir die Zugtickets, um zum Anfang des Camino in Saint-Jean-Pied-de-Port zu kommen. Als mein Datum feststand schrieb ich Ana eine Nachricht, wann sie denn plante, loszuziehen – und umso größer war die Überraschung, als sie genau für denselben Zug Fahrkarten gekauft hatte.
Wir starteten zusammen unsere Pilgerreise – meine zweite und ihre erste – und seitdem verbindet uns eine tiefe Freundschaft. Wenn ihr hören wollt, wie uns unsere Camino-Erfahrungen noch heute prägen, dann hört euch die ganze Folge an! 🙂